Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt

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Alte Meister - junge Umweltbotschafter

Start der „Grünen Sendelbinde“ in Hermannstadt

 

Rumänien ist nicht nur aufgrund seiner faszinierenden Völkervielfalt und Naturschönheiten berühmt, sondern auch durch schwerwiegende Umweltsünden in die Schlagzeilen geraten. Die siebenbürgische Kleinstadt Kleinkopisch/Copşa Mică galt in der Zeit vor der politischen Wende als eine der weltweit am höchsten mit Umweltgiften belasteten Städte. Erst jüngst, im Jahre 2000, ereignete sich im Nordwesten Rumäniens die seit Tschernobyl größte Umweltkatastrophe im Osten Europas, als der Damm einer Golderz-Aufbereitungsanlage in Frauenbach/Baia Mare brach und eine ungeheure Menge von mit Schwermetallen versetzter Natriumcyanidlauge in die Gewässer des Landes gelangte.

Die seit der Wirtschaftskrise verschärften wirtschaftlichen Probleme des Landes erhöhen das Risiko einer Marginalisierung von Umweltproblemen, eine Gefahr, der das in Hermannstadt/Sibiu angelaufene Kommunikationsprojekt „Die Grüne Sendelbinde“ mit innovativen Mitteln entgegenwirken will. Das Projektlogo lehnt sich augenzwinkernd an den Titel des berühmtesten Gemäldes des Brukenthalmuseums, den “Mann mit der blauen Sendelbinde” des niederländischen Malers Jan van Eyck, an. Er hat sich bereit gefunden, seine blaue Sendelbinde gegen eine grüne einzutauschen, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Unterstützung hat das Projekt auch von gewichtiger Seite gefunden: Eine substantielle Förderung erfährt es durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und das rumänische Ministerium für Umwelt und Klimawandel. Auf der Pressekonferenz, mit der das Projekt am 21. Juni am Brukenthalmuseum vorgestellt wurde, war von Seiten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Dr. Ulrich Witte, Leiter der Abteilung Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz, anwesend.

 

Seit das Palais und die weltberühmten Kunstsammlungen Baron Samuel von Brukenthals der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. Hermannstadt im Jahre 2005 rückerstattet wurden, pflegen die dem rumänischen Kulturministerium unterstellte Museumsinstitution und die Kirchengemeinde im Rahmen eines gemeinsamen Museumsmanagements eine insgesamt erfolgreiche Zusammenarbeit, die nun mit der „Grünen Sendelbinde“ durch eine zusätzliche Komponente erweitert wird.

 

Das auf 36 Monate angelegte Projekt sieht vor, umweltrelevante Themen in die Kommunikationsaktivitäten der drei im Projekt zusammengeschlossenen Institutionen aufzunehmen.

Die Evangelische Kirchengemeinde A. B. kann in dieser Hinsicht bereits auf einige Erfahrung verweisen, da sie bereits seit 2007 ein umweltbewusstes Management umsetzt und ihr Engagement permanent kommuniziert. Die Idee zur “Grünen Sendelbinde” ist ein Kind dieser positiven Erfahrung, zeichnet sich nun aber durch einen größeren Innovationssprung aus. Die größte Herausforderung besteht darin, dass diesmal nicht ein naturwissenschaftliches Museum, sondern ein Museum mit einzigartigen Kunst- und kulturhistorischen Sammlungen die Aufgabe übernehmen wird, umweltrelevante Anliegen anhand seiner Bestände zu vermitteln. Über einen abgesteckten Zeitraum von drei Jahren hinweg werden deshalb auf Ebene der Museumskuratoren und -pädagogen im Rahmen von interdisziplinären Workshops neue Vermittlungskonzepte erarbeitet, die die Verbindung von kunsthistorischen Inhalten mit solchen der Umweltbildung zum Ziel haben. Die Innovation wird vor allem auf der Diskursebene erprobt: Erörtert werden auch wissenschaftsgeschichtlich, umweltgeschichtlich und diskurskritisch orientierte Ansätze. Die neu erarbeiteten Vermittlungsstrategien werden zwischen Herbst 2013 und 2015 im Rahmen von vier Ausstellungen erprobt, die die Entwicklungen, die das Verhältnis Mensch – Natur im Laufe der Jahrhunderte durchlief, anhand der Ausstellungsobjekte in den Blick nehmen. Den Auftakt bildet eine Ausstellung, die im Oktober 2013 eröffnet und den Titel „Bestiarium Brukenthalium - Tierschicksale in zoologischen und botanischen Buchillustrationen des 16. - 21. Jahrhunderts” tragen wird. Gezeigt werden bezaubernd bebilderte naturwissenschaftliche Atlanten aus dem Besitz der Brukenthalbibliothek. Die für 2014 und 2015 geplanten Ausstellungen spüren anderen Themen in der Kunst nach:  “Sanfter Tourismus - Reisen in der Kunst des 16. - 21. Jahrhunderts”; „Sine Cerere et Baccho friget Venus. Ernährung und Komfort in der Kunst des 16.- 21. Jahrhunderts” und „Samuel von Brukenthal als Unternehmer”. Die systematische Evaluierung der Besucher- und Mitarbeiterresonanz wird operationale Daten über den Effekt der vier Ausstellungen und der dabei erprobten Ansätze bereitstellen. Erweist sich das Experiment als erfolgreich, so werden umweltrelevante Perspektiven dauerhaft in die Museumsdidaktik einfließen.

 

Die Rolle des Umweltbotschafters, die die drei Projektpartner übernehmen möchten, setzt eine tiefer gehende Qualifikation voraus, die nicht nur auf die Kommunikation von Umweltinhalten begrenzt sein darf, sondern den Nachweis einer umweltbewussten Gestaltung des eigenen Lebens umfassen muss. Aus diesem Grund sieht die “Grüne Sendelbinde” parallel zur Vorbereitung von Umweltkommunikationsmaßnahmen die Einführung von Umweltmanagementsystemen an den Standorten der drei Partnerinstitutionen nebst entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen für alle Mitarbeiter vor. Als dritter Projektpartner konnte das staatliche Umweltamt Hermannstadt gewonnen werden, dessen Expertenwissen auf diesem Gebiet einen essentiellen Beitrag darstellt. Die Umweltbelastung, die von den alltäglichen Aktivitäten der drei Projektpartner derzeit ausgeht, wird dadurch in koordinierter Weise eingeschränkt und kontrolliert; gleichzeitig wird das aus den praktischen Erfahrungen hervorgehende Know-How in die Vermittlungsmaßnahmen des Museums eingespeist. Um die Ernsthaftigkeit ihrer Bemühungen zu unterstreichen, streben die Projektpartner die Zertifizierung ihrer Umweltmanagementsysteme durch das europäische Gütesiegel EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) an.

 

Im Rahmen von Arbeitseinheiten unterschiedlicher Formate werden die Mitarbeiter aller Hierarchieebenen in den drei Partnerinstitutionen an die Ziele und Methoden des Umweltmanagements herangeführt. Darüber hinaus sind zwei Workshops vorgesehen, die den museumsspezifischen Fragen einer umweltfreundlichen Gestaltung von Erhaltungsmaßnahmen gewidmet sind. In ihrem Rahmen haben die Mitarbeiter des Museums die Gelegenheit, sich mit den Umwelteinwirkungen ihres eigenen Aufgabenbereichs auseinander zu setzen und im Austausch mit in- und ausländischen Kollegen und Wissenschaftlern, die sich im Rahmen ihrer Forschungen mit Umweltaspekten des Kulturgüterschutzes, z. B. mit der Frage einer umweltfreundlichen Objektkonservierung, auseinander gesetzt haben, erstmals an das Potential einer Optimierung anzunähern.

Frank-Thomas Ziegler

 

 

 

 

 

 

Anschriften der Projektpartner

 

EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE A. B. HERMANNSTADT

Piaţa Huet 1, 550182 Sibiu. Jud. Sibiu, Tel./Fax +40 269 211 203, hermannstadt@evang.ro, www.hermannstadt.evang.ro

 

MUZEUL NAŢIONAL BRUKENTHAL SIBIU – BRUKENTHALMUSEUM HERMANNSTADT

Piaţa Mare 4-5, 550163 Sibiu, jud. Sibiu, Tel. +40 269 217 691 Fax: +40 269 211 545, info@brukenthalmuseum.ro, www.brukenthalmuseum.ro

 

AGENŢIA PENTRU PROTECŢIA MEDIULUI SIBIU – UMWELTAMT HERMANNSTADT

Str. Hipodromului 2 A, Sibiu, 550360,  jud. Sibiu, Tel. +40 269 422 653, +40 269 445 743; Fax: +40 269 444145, apm.sb@ipmsb.ro, www.ipmsb.ro

 

22.05.17

Arthur Honeggers Werk erklingt am 8. und am 9. Juni 2017, jeweils 19 Uhr.

 

19.05.17

jeden Sonntag, 12 Uhr, vom 21. Mai - 11. Juni mit unseren Gästen aus Wisconsin und allen, die mitfei...

 

14.05.17

Einen wöchentlichen Gemüsekorb in Bio-Qualität kann man bei Frau Heinke Schüller abonnieren

 

10.05.17

DER FALSCHE RITTER - Kinderchöre und Canzonetta führen am 20. Mai um 16 Uhr das Musical auf