Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt

Grüne Sendelbinde AbschlussGrüne Sendelbinde Abschluss

 

"Grüne Sendelbinde" - Aktueller Stand und Ergebnisse des Umweltkommunikations-projekts

Projektlaufzeit DBU: 11/2012 - 5/2016
Der durch die Fachreferenten internationale Workshop zu Schadstoffkontamination an Museen zog über 100 Museologen und Restauratoren aus dem ganzen Land an.
Unser Projekt-Logo zitiert ein Gemälde des Museums: 'Mann mit der blauen Sendelbinde' von Jan van Eyck

 Die Grüne Sendelbinde - Management und Umweltkommunikation durch Kunst am Brukenthalmuseum, an der Evangelischen Kirchengemeinde A.B. und am Amt für Umweltschutz in Hermannstadt“  - So hieß der volle Titel eines von der DBU geförderten Projektes, das vier Jahre lang unsere Kirchengemeinde prägte, und zwar 2012- 2016.

Mit dem Projekt Die Grüne Sendelbinde ergriff die Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt gemeinsam mit zwei Partnerinstitutionen, dem Amt für Umweltschutz und dem Brukenthalmuseum die Initiative, um auf Sinn und Nutzen des betrieblichen Umweltschutzes aufmerksam zu machen und dessen Potentiale neu zu definieren. Federführend wirkte Frank-Thomas Ziegler, damals Kustos der Kirchengemeinde  für die Brukenthalsammlungen.

 

 

 Das Projekt umfasste drei Arbeitskomponenten:

 

QUALIFIZIERUNG

Insgesamt sieben Workshops und eine internationale Lehrveranstaltung dienten der Qualifizierung der Mitarbeiter der drei Partnerinstitutionen. Sie waren teils darauf ausgerichtet, die relevante Gesetzgebung, Normen und Verfahren zu vermitteln, die der Bewältigung der Zertifizierung nach EMAS gemäß der Vorschriften in Rumänien dienen sollte. Die konzentrierten Workshops stellten sich als effiziente Instrumente der Entwicklung eines Umweltbewusstseins, der Wissensvermittlung und geeignete Diskussionsplattformen heraus. Die darin erfolgte Qualifizierung des Mitarbeiterstabs zur Bewältigung des Umweltmanagements mündete in die Berufung von für die Umweltmanagementsysteme zuständigen Koordinationsgruppen, mit deren Hilfe es die erfolgreiche Fortführung der Systeme gewährleistet wird.

 

UMWELTBEWUSSTSEINSBILDUNG

An die breite Öffentlichkeit wandte sich das Projekt in erster Linie mit den vier experimentellen Pilotausstellungen am Brukenthalmuseum. Die Kunst wurde zum Mittler von Umweltbotschaften:

 

Bestiarium Brukenthalium (19. 02. - 27. 04. 2014)

Soft Tourism (25. 10. - 30. 11. 2014)

Gaben der Natur - Reichtum und Mäßigung (12. 02. - 30. 04. 2015)

Samuel von Brukenthal als Unternehmer (18. 06. – 26. 09. 2015)

 

Die Auswertung der Besucherreaktionen legte offen, dass die ökologische Botschaft von aufmerksamen Besuchern erkannt wurde. Kritik seitens der Besucher, die etwa durch einen zu nachdrücklich vorgetragenen moralisierenden Aufruf zum Schutz der Umwelt hätte gelten können, gab es an keiner Stelle. Die Ausstellungen wurden seitens der Besucher niemals als deplatziert befunden: Dies ist ein Zeichen dafür, dass sie trotz des ökologischen Gehalts als Kunstausstellungen verstanden und genossen wurden. Dies Gleichgewicht zwischen Umwelt- und Kunstbotschaft hatten die Kuratoren eingangs herzustellen gehofft.

Im Rahmen der Pilotausstellungen wurde die museumspädagogische Vermittlungstätigkeit zu einem erfolgreichen Medium der Umweltbildung, da die kunsthistorischen Diskurse sensibel mit Umweltbildungsinhalten kombiniert wurden.

Implizit stellten Leihanfragen zu zwei Ausstellungen, Bestiarium Brukenthalium und Soft Tourism, erfreuliche Rückmeldungen zu der Ausstellungsreihe dar.

 

UMWELTMANAGEMENT 

Um profunde Kenntnisse im Bereich des betrieblichen Umweltmanagements und eine Vorbildfunktion als entsprechendes Kompetenzzentrum zu erwerben, wurden an allen drei Partnerinstitutionen systematische Maßnahmen zur Umweltentlastung vorgenommen und kommuniziert. Am Brukenthalmuseum wurde zudem eine Schadstoffstudie durchgeführt. Das Umweltmanagementsystem und dessen Zertifizierung nach EMAS wurden als integriertes, qualifikationsrelevantes Tool des Kommunikationsprojekts vorgesehen.

Die Effekte des eingeführten Umweltmanagements sind an allen drei Institutionen fassbar, etwa anhand von Energie- und Abfallreduktionswerten, aber an der Einkaufspolitik, da jetzt mehr umweltfreundliche Verbrauchsmaterialien (Toner, Papier usw.) angekauft werden. Mit den Kosteneinsparungen geht ein verbesserter Umweltschutz einher, aber auch eine verbesserte Rechtssicherheit, vor allem durch die systematische Umsetzung der relevanten Rechtsvorschriften und den Aufbau einer betrieblichen Organisation mit eindeutigen Befugnissen und Verantwortlichkeiten.

Im Verlauf des Projekts stellte das Projektteam allerdings fest, dass sich das Verfahren der EMAS-Zertifizierung nach rumänischer Vorschrift von dem nach deutscher Vorschrift unterscheidet, mit dem die Kirchengemeinde bereits gute Erfahrungen hatte. Die Schwierigkeiten bestehen vor allem in der mangelnden Flexibilität des rumänischen Verfahrens, das sich nicht leicht auf Museen oder Kirchengemeinden anwenden lässt, sondern auf Wirtschaftsunternehmen zugeschnitten bleibt. Aus dieser Inkongruenz erfolgen Verfahrensnachteile: Ein erhöhter Aktenaufwand steht geminderter Effizienz gegenüber. Die drei Partner haben mit der publizierten Umwelterklärung und der EMAS-Registrierung gern eine strenge Verpflichtung auf sich genommen, durch den die Bedeutung des Umweltschutzes ein signifikanter Entscheidungsfaktor im Rahmen des Gesamtmanagements geworden ist. Die Partner möchten für die mittlere Zukunft alternative Umweltzertifikate in Augenschein nehmen, um nach Auslaufen der letzten, jetzt bereits geplanten Zertifizierung nach EMAS ein Verfahren auszuwählen, dass ihren Profilen in erhöhtem Maße entspricht.

Ein Teilprojekt mit hohem Innovationsgrad bestand in der Schadstoffuntersuchung am Brukenthalmuseum. Es handelt sich bei der Untersuchung um einen landesweiten Präzedenzfall. Erstmals existieren klare Daten zur Schadstoffbelastung in Räumlichkeiten eines Museums in Rumänien. Auf Grundlage der Daten haben die Experten gegenüber der Institutionsleitung Empfehlungen für Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit von Museumsmitarbeitern getroffen.

REICHWEITE

Im Rahmen des Projekts ist es vielfach zu einem umweltzentrierten Austausch zwischen kirchlichen und staatlichen Institutionen mit NGO’s, privatwirtschaftlichen Unternehmen und Forschungsinstituten gekommen, von der Tischlerwerkstatt COT in Honigberg über die Rumänische Stiftung für Wiederverwertung RoRec und die Konservatoren und Museologen aus zahlreichen Museen Rumäniens, die an dem internationalen Workshop teilnahmen, bis hin zu dem Nationalen Institut zur Forschung und Entwicklung in Optoelektronik in Bukarest (INCDO-INOE 2000).

 

Sowohl die Einführung des Umweltmanagements als auch die Ausstellungstätigkeit wurden von einer regen Pressearbeit begleitet, die gemeinschaftlich von dem Projektteam und der Pressestelle des Brukenthalmuseums bewerkstelligt wurde. Mit wenigen Ausnahmen blieb die Berichterstattung in den Printmedien aufgrund der spezifischen Medienlandschaft und ihrer Arbeitsweise auf den lokalen Horizont beschränkt.

Durchschlagen wurde der regionale Horizont der Presseberichterstattung durch die Zusammenarbeit mit den Fernseh- und Radiomedien, etwa mit der deutschsprachigen Sendung „Akzente” im staatlichen TV-Sender TVR 1 und dem Radiosender „Radio România Cultural“, durch die Präsentationen im Internet, und in überregional und international vertriebenen Printpublikationen wie der „Siebenbürger Zeitung”, dem „Jahrbuch der Deutschen für Rumänien”, der deutschsprachigen Fachzeitschrift der Rumänischen Akademie der Wissenschaften „Forschungen zur Volks- und Landeskunde” oder auch durch die Ausstellungsverleihung an das Referat für Frauenarbeit und Brauchtumspflege der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich.

 

FORTFÜHRUNG

Die Re-Zertifizierung nach EMAS ist bei allen drei Partnerinstitutionen bereits jetzt schon einmalig fest eingeplant. Dadurch ist die systematische Fortführung des Umweltmanagements mittelfristig garantiert. Somit ist die mit dem Projekt „Grüne Sendelbinde” geschaffene Plattform mittelfristig zu einem bleibenden Rahmen geworden.

Die Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt prüft für sich darüber hinaus andere Optionen der Zertifizierung, die nach dem genannten Zeitraum in Betracht genommen werden können, wie zum Beispiel den „Grünen Gockel”, ein Umweltmanagement-System der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

 

Inwiefern die innerbetriebliche Kulturwende durch Breitenwirkung zu einer globalen Kulturwende beitragen kann, die eine zentrale Vorbedingung der Energiewende darstellt, hängt von dem Nachdruck ab, mit dem die innerbetrieblichen Maßnahmen fortgeführt werden.

Besonders am Museum für Naturgeschichte wird die Umweltrelevanz der Ausstellungen erhalten bleiben, da die Schulung der Museologen feste Überzeugungen hinterlassen hat. Am Kunstmuseum ist die Gestaltung von umweltrelevanten Kunstausstellungen erstmals zu einer bleibenden Option innerhalb des breiten Themenspektrums der Vermittlungsaufgaben geworden.

Die Ergebnisse der Schadstoffuntersuchung am Brukenthalmuseum unterstützen ein zentrales Anliegen der amtierenden Museumsleitung:  Den Bau eines neuen, schadstofffreien Zentraldepots für alle Abteilungen des Brukenthalmuseums. Für das Projekt liegt eine Skizze vor, deren Ausarbeitung von den zur Verfügung gestellten finanziellen Ressourcen bedingt ist. Das Zukunftsszenario der Depotsituation sollte, wenn die Ergebnisse der Schadstoffuntersuchung berücksichtigt werden, einen Auszug der Sammlungen aus den aktuellen Räumlichkeiten einschließen. Ein Anliegen der mittleren Zukunft solle es zudem sein, dass diese Räume Dekontaminierungsmaßnahmen unterzogen werden. Diese Anliegen sind den zuständigen staatlichen Behörden vorzustellen, um gemeinsam die Möglichkeiten einer Behebung der Belastungen zu eruieren.

Eine Fortführung der öffentlichen Diskussion über das Problem der Schadstoffkontamination an Museen, wie sie als Pioniertat mit dem internationalen Workshop stattfand, ist ein wichtiges Desiderat und bereits in Planung. Gemeinsam mit Dr. Robert Waller und Dr. Morten Ryhl Svendsen werden bereits erste Überlegungen zu einer Fortführung des Internationalen Workshops angestellt.

 

DANK

Die Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt dankt allen, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, insbesondere den beiden Projektpartnern, dem Brukenthalmuseum und dem Amt für Umweltschutz Hermannstadt, deren Führungskräften und allen Mitarbeitern, die sich aktiv eingebracht haben.

 

Unser besonderer Dank gilt dem Projektförderer, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

 

Ein großer Dank geht auch an das Koordinationsteam, insbesondere an Andreea Roseti und Liviu Paraschivescu, Dr. Rodica Mihai und Dr. Rodica Ciobanu. Ebenso danken wir ganz besonders Dr. Mártha Guttmann, der Fotografin Silvana Armat und dem Grafikdesigner Chris Balthes, die dieses Projekt, jeder auf seine Weise, in nachdrücklicher Weise mitgestaltet haben.

 

Wir danken auch unseren Medienpartnern, insbesondere dem Team der deutschsprachigen Sendung „Akzente” des staatlichen TV-Senders TVR1, der Redaktion der Siebenbürger Zeitung, jener der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien und der Hermannstädter Zeitung.

 

All jenen, die die „Grüne Sendelbinde” mit ihrer Arbeit, sei sie berufsmäßig oder ehrenamtlich gewesen, unterstützt haben oder sie teilnahmsvoll begleitet haben, danken wir sehr herzlich.  Geben Sie das Feuer weiter!

 Frank-Thomas Ziegler und das ganze Team der   Evangelischen Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt

 

 

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