{"id":4062,"date":"2020-04-02T22:50:51","date_gmt":"2020-04-02T19:50:51","guid":{"rendered":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/?page_id=4062"},"modified":"2020-04-02T22:50:51","modified_gmt":"2020-04-02T19:50:51","slug":"pictura-murala-rosenauer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/cultura-turism\/biserica-parohiala-evanghelica-sf-maria\/pictura-murala-rosenauer\/","title":{"rendered":"Pictura mural\u0103 *Rosenauer*"},"content":{"rendered":"<h2>Johannes von Rosenau, KREUZIGUNG<\/h2>\n<h3>Wandgem\u00e4lde, al-secco-Technik<br \/>\nEvangelische Stadtpfarrkirche Hermannstadt, n\u00f6rdliche Chorwand<\/h3>\n<p><strong>Das 48 Quadratmeter gro\u00dfe Wandbild an der n\u00f6rdlichen Chorwand der Stadtpfarrkirche ist inschriftlich als Werk eines \u201emagister Iohannes de Rozenaw\u201d bezeichnet und 1445 datiert. Nachreformatorische \u00dcbermalungen haben die urspr\u00fcngliche Komposition stark abge\u00e4ndert.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1607\" aria-describedby=\"caption-attachment-1607\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1607 size-full\" src=\"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-070-P1.jpg\" alt=\"Gesamtansicht\" width=\"450\" height=\"1069\" srcset=\"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-070-P1.jpg 450w, https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-070-P1-126x300.jpg 126w, https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-070-P1-431x1024.jpg 431w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1607\" class=\"wp-caption-text\">Gesamtansicht<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die zentrale Kreuzigung, der Schmerzensmann in der gemalten Sakramentsnische und die Architekturrahmung greifen \u00fcber vermittelnde Bildformeln der Alpenl\u00e4nder \u2013 wie z. B. die der so genannten Domkreuzigung in der M\u00fcnchener Frauenkirche, des \u201eBasler Meisters von 1445\u201d (Grablege Ottos III von Hachberg im Konstanzer M\u00fcnster, 1445) oder jene von Conrad Laib ( z. B. sog. Salzburger Kalvarienberg, Unteres Belvedere Wien) &#8211; auf italienische Vorbilder des 14. Jahrhunderts wie die Wandbilder des Giotto-Nachfolgers Altichiero in der Capella San Felice, Basilica di Sant` Antonio, Padua zur\u00fcck. In ihren Grundz\u00fcgen haben sie die Reformation dank ihrer Vereinbarkeit mit den Inhalten des lutherischen Glaubens relativ unver\u00e4ndert \u00fcberstanden. Auch die Wappengruppe verweist noch huldigend auf den ungarischen K\u00f6nig Ladislaus V. (1440-1457); ebenso die beiden flankierenden Figuren mit Zepter und Hellebarde, die zumeist als die K\u00f6nigsheiligen Stefan (li.) und Ladislaus (re.) gedeutet werden.<\/p>\n<p>Bei diesen sp\u00e4tgotischen Anteilen des heutigen Wandbildes mag es sich urspr\u00fcnglich um ein Votivbild oder ein Epitaph der heute unbekannten, einstmals aber bedeutenden Stifterpers\u00f6nlichkeiten handeln, die seitlich der Nische mit dem Schmerzensmann abgebildet sind. Im Zentrum der beiden benachbarten Vierp\u00e4sse befanden sich urspr\u00fcnglich ihre Wappen; heute sind sie \u00fcbermalt. Als monumentales Epitaph wird sich das Rosenauerbild auf eine Grablege f\u00fcr die Stifter bezogen haben, die sich im Kircheninneren befand. Die auf Ladislaus V. verweisenden Wappen legen eine enge Beziehung der beiden zum K\u00f6nigshaus nahe.<\/p>\n<p>Alle weiteren Darstellungen sind nach der Reformation, h\u00f6chstwahrscheinlich in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch den Hermannst\u00e4dter Maler Georg Hermann hinzugef\u00fcgt worden, als sich die Bed\u00fcrfnisse an den Wandschmuck der Kirche bereits gewandelt hatten. Das bekr\u00f6nende JAHVE-Tetragramm, unter der das Haupt einer \u00fcbermalten, sp\u00e4tgotischen Marienfigur hervor leuchtet; die beiden flankierenden Christusfiguren oberhalb der K\u00f6nigsheiligen mit den Bezeichnungen gloria (Herrlichkeit) und humilitas (Demut) und die drei Darstellungen in den Giebelfeldern mit Geburt, Himmelfahrt und Taufe Christi.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1615\" aria-describedby=\"caption-attachment-1615\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DSCF1108_09_10_fused-200x300.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-1615 size-medium\" src=\"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DSCF1108_09_10_fused-200x300.jpg\" alt=\"Chor mit Altar und Rosenauer Fresko\" width=\"320\" srcset=\"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DSCF1108_09_10_fused-200x300.jpg 200w, https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DSCF1108_09_10_fused-768x1152.jpg 768w, https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DSCF1108_09_10_fused-683x1024.jpg 683w, https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/DSCF1108_09_10_fused.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1615\" class=\"wp-caption-text\">Chor mit Altar und Rosenauer Fresko<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit der Hinzuf\u00fcgung f\u00fcnf weiteren Christusdarstellungen erh\u00f6hte sich ihre Anzahl im Bild von zwei auf sieben. Dieser Eingriff ist kein willk\u00fcrlicher Akt gewesen, sondern eine bewusste Umwandlung des sp\u00e4tgotischen Bildes in ein lutherisches Lehrbild.<\/p>\n<p>Waagerecht verbildlichen der Ecce Homo und Weltenrichter die Zweinaturenlehre: Der erniedrigte Mensch Jesus Christus ist dem erh\u00f6hten Gott Christus gegen\u00fcber gestellt. Die Einf\u00fcgung der Himmelfahrt Christi in der senkrechten Achse zum Schmerzensmann l\u00e4sst auf dessen ge\u00e4nderte Bedeutung innerhalb des neuen Bildprogramms schlie\u00dfen: als Darstellung Christi in der Vorh\u00f6lle oder Unterwelt. Die Verbindung von Christi Himmelfahrt, flankiert durch Geburt und Taufe Christi, mit der Kreuzigungsdarstellung und dem Bild Christi in der Vorh\u00f6lle veranschaulicht Christi Erl\u00f6sungswerk.<\/p>\n<p>Die sieben Darstellungen Christi bringen damit nun wesentliche christologische Anschauungen der lutherischen Theologie zum Ausdruck, die in der \u201eSermon von der krafft der Hymelfart Christi, aus der Epistel Sanct Pauel zun Ephesern\u201c (D. Martin Luthers Werke, Weimarer Ausgabe, 23, 699b-726) Martin Luthers unnachahmlich plastisch und gleichfalls w\u00fcnschenswert konzise zusammengefasst sind.<\/p>\n<h4>Darin setzt der Reformator die Argumentation auseinander,<\/h4>\n<p>\u201edas der Gott mensch sey worden, vom heiligen geist empfangen, von einer Junckfrawen geporen, gestorben, widder vom tod auff erstanden, gen himel gefaren, Denn sol er auff faren, mus er yha vor herunder faren, Das ist, wie gesagt ist, mus mensche werden, die sunde der welt auff sich nemen, den tod leiden. Widderumb solt er widder auff faren, die gefengnis gefangen nemen, unter die menschen gaben austeilen und uber sund, tod, teuffel, helle und alle creaturen hirschen als Gott, so mus er yha mehr denn ein mensch, yha mus warer Got sein, denn solches sind nicht wercke einer creature, sondern des schoepfers selbs etc.\u201c<\/p>\n<h4>So hat er das Gef\u00e4ngnis gefangen genommen, dass uns gefangen hielt,<\/h4>\n<h4>\u201edis gefengnis, das uns gefangen nimpt, das gesetz, die sund, der tod, teuffel und helle\u201c.<\/h4>\n<p>In \u00e4hnlicher Weise, wie die Predigt Luthers Christi Gottmenschheit, sein Hinabsteigen zur Erde, seinen S\u00fchnetod, seine anschlie\u00dfende H\u00f6llen- und Himmelfahrt als Befreiung der Menschheit vom \u201egefengnis\u201c, d. h. von Tod, H\u00f6lle und S\u00fcnde zu einer einzigen Heilsaussage zusammen bindet, so f\u00fchrt das Wandbild die Erscheinungen Christi als Mensch und Gott, Erl\u00f6ser am Kreuz, als descensus und ascensus zusammen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1611\" aria-describedby=\"caption-attachment-1611\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1611\" src=\"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-072-copy.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"671\" srcset=\"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-072-copy.jpg 1000w, https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-072-copy-300x201.jpg 300w, https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/EVKH-S1-JAMMER-072-copy-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1611\" class=\"wp-caption-text\">Christus als Schmerzensmann in der gemalten Sakramentsnische<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer die Worte Luthers im Hermannstadt des siebzehnten Jahrhunderts vor Augen hatte, der wird in der Darstellung des Schmerzensmannes in der vergitterten Nische vielleicht nicht nur den zur H\u00f6lle hinab gestiegenen, sondern auch das \u201egefengnis\u201c, das Christus gefangen genommen hat, erkannt haben.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie auch der sogenannte alte Altar in derselben Kirche aus dem Jahr 1512 wurde das Wandbild durch die \u00dcbermalung des 17. Jahrhunderts also dahin gehend abgewandelt, dass es die frohe Botschaft fortan im Sinne des evangelischen Glaubens verk\u00fcndet..<\/p>\n<p><em>Frank-Thomas Ziegler, Kustos Brukenthalsammlungen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes von Rosenau, KREUZIGUNG Wandgem\u00e4lde, al-secco-Technik Evangelische Stadtpfarrkirche Hermannstadt, n\u00f6rdliche Chorwand Das 48 Quadratmeter gro\u00dfe Wandbild an der n\u00f6rdlichen Chorwand der Stadtpfarrkirche ist inschriftlich als Werk eines \u201emagister Iohannes de Rozenaw\u201d bezeichnet und 1445 datiert. Nachreformatorische \u00dcbermalungen haben die urspr\u00fcngliche Komposition stark abge\u00e4ndert. Die zentrale Kreuzigung, der Schmerzensmann in der gemalten Sakramentsnische und die Architekturrahmung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":4043,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4062","page","type-page","status-publish","czr-hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4062","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4062"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4064,"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4062\/revisions\/4064"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hermannstadt.evang.ro\/ro\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}