Evangelische Kirchengemeinde A.B. Hermannstadt

KirchenrenovierungRenovarea bisericii

 

Es zieht einen schier zum Himmel hoch - zum erstenmal seit 2008 ist das Mittelschiff der Kirche nicht mehr von dem riesigen Holzgerüst verstellt.

Die Stadtpfarrkirche ist wieder täglich geöffnet!

Die Arbeiten an Kirchendach und Gewölbe sind nun endlich abgeschlossen. Besonders arbeitsintensiv war die Erdbebensicherung durch einen Ringanker, die Fixierung der Gewölberippen und die zimmermannsmäßige Ertüchtigung des historisch wertvollen Dachstuhls. Die Kirche ist nun wieder täglich für Besucher geöffnet - die ersten Trainings mit unseren Kirchenführern haben bereits stattgefunden. Mit ihrem Beitrag von 5 Lei unterstützen Besucher die Fortführung der Renovierungsarbeiten.

Für den zweiten großen Abschnitt - Fassade und Innenraum - haben wir mit den Planungsarbeiten begonnen und versuchen, Finanzierungsmöglichkeiten herauszufinden.

Einen Blick in die mittlerweile abgeschlossene Kirchenbaustelle kann man auf diesen Fotos werfen.



Dies war einmal unser Kirchendach

Bauschutt als Fundgrube: eine Menge alter glasierter Dachziegeln wurden auf dem Kirchendach in der Schuttschicht über den Gewölben gefunden. Sie werden heute, zusammen mit den jetzigen Bibern, als Modelle für die neue Dacheindeckung dienen.

Einen Blick in die Kirche, besonders den Chorraum, Ferula und Emporen, kann man auf diesen Fotos werfen.


Mehr als 500 Jahre, mit Sicherheit

Thanatos-Putto vom Epitaph für den Sachsengrafen Matthias Semriger. Gefaßtes Holz, 1680. Evangelische Stadtpfarrkirche Hermannstadt.

Aktuelle Maßnahmen zur Sicherung der Kunstdenkmäler in der Hermannstädter Stadtpfarrkirche

 

Die Stadtpfarrkirche war einst mehr als ein ehrwürdiges Gotteshaus. Emil Sigerus bezeichnete sie treffend als „Gedenkhalle“ der Siebenbürger Sachsen: Hier befanden sich die Grablegen der höchsten Würdenträger der Sächsischen Nationsuniversität, der Kirche und der Stadt.

Die ehrende Erinnerung an sie wurde bis zum neunzehnten Jahrhundert hin von ausgesprochener Pracht begleitet: Der Kirchenboden war mit kostbaren Grabsteinen gewissermaßen gepflastert; darauf standen die ehrwürdigen Rats- und Zunftgestühle. Über den Köpfen der Gläubigen, an den Wänden, drängten sich goldschimmernde Epitaphe in vielfachem Stilgemisch. Osmanische Teppiche und farbenfrohe Seidenbehänge schmückten an hohen Feiertagen das Gemäuer; zu diesen Gelegenheiten trugen die evangelischen Geistlichen mittelalterliche Messgewänder aus orientalischen und italienischen Brokatstoffen, schwenkten Weihrauchfässchen und spendeten das Abendmahl aus vorreformatorischen Meßkelchen.

Heute ist das phantastische Gepränge bis auf einen letzten Restbestand geschwunden. Allgemein gesprochen, ist dies eine Folge von Änderungen in der evangelischen Frömmigkeitskultur des 19. Jahrhunderts. Konkret betrachtet, handelt es sich dabei um eine Folge jener Restaurierungskampagne, die zwischen 1853 und 1855 statt fand und im Zuge derer die Stadtpfarrkirche ihrer Funktion als Ort des Gedenkens rigoros entledigt wurde. Ein Großteil der Kunst- und Erinnerungswerke ging bei der Purifizierungsmaßnahme verloren; etwa sechshundert Objekte fanden nach und nach ihren Weg in das Brukenthalmuseum.

Im Gegenzug gelangten Denkmäler aus anderen Kirchen in die Stadtpfarrkirche, als die Ferula zu Beginn des Jahrhunderts als Ausstellungsraum für kirchliche Kunst des Brukenthalmuseums hergerichtet wurde. Als auch diese Objekte infolge der Nationalisierung des Brukenthalmuseums im Jahr 1948 durch die Staatswillkür ins Brukenthalpalais abgezogen wurden, ließ man nur zurück, was an den Kirchenbau fest gefügt war oder selbst für das Palais zu groß schien: die einzementierten Grabsteine und Epitaphien der Stadtpfarrkirche, aber auch die barocken Altäre aus Dobring und Großscheuern.

Gemeinsam mit dem Taufbecken, der gotischen Kanzel und dem so genannten „alten Altar“ der Stadtpfarrkirche bilden diese Denkmäler einen überaus wertvollen Bestand von Kunstdenkmälern, wie er in variierender Spielart auch in den meisten anderen evangelischen Dorf- und Stadtkirchen anzutreffen ist.

Nun, da die Stadtpfarrkirche einer neuerlichen Restaurierungskampagne entgegen sieht, galt es, einen sicheren Unterstand für ihre Kunstdenkmäler zu finden – schließlich sollten ähnlich dramatische Verluste wie im 19. Jahrhundert vermieden werden. Zu diesem Zweck konnte ein erfahrener Restaurator gewonnen werden. Mit Ferenc Mihály und seinen Mitarbeitern wurden die notwendigen Maßnahmen zunächst detailliert abgesprochen. Im Rahmen einer ersten Kampagne bauten die Restauratoren dann am 27. Januar die gefährdeten Kunstdenkmäler der Ferula ab und transferierten sie in einen sicheren Bereich der Stadtpfarrkirche. Was, wie die alte Kanzel, nicht verrückt werden konnte, war bereits vorher an Ort und Stelle geschützt worden. Orgelbauerin und -restauratorin Barbara Dutli kümmerte sich derweil dankenswerterweise um die komplizierte Sicherung der Orgeln. Der Aufwand, der für die Anstellung eines Restaurators oder einer Restauratorin zur Durchführung von derartigen Sicherungsmaßnahmen notwendig ist, steht in keinem Verhältnis zu den Schäden oder Verlusten, die entstehen, wenn auf ihn bzw. sie verzichtet wird. Geborgen vor Diebstahl und Beschädigung, harren die ererbten Kostbarkeiten nun unter optimalen konservatorischen Bedingungen aus, bis die Stadtpfarrkirche wieder für ihre Aufnahme bereit ist.

Im Rahmen einer zweiten Sicherungskampagne wird dann in Bälde auch der berühmte „alte Altar“ sorgsam untergestellt werden. In diesem Jahr feiern wir seinen fünfhundertsten Geburtstag. Und wir tun alles dafür, dass er noch viele weitere erlebt.

Frank-Thomas Ziegler


Erdbebensicher oder Denkmalgerecht?

Der letzte Herbst war von kontroversen Diskussionen in Sachen Kirchenrenovierung geprägt. Hauptsächlich ging es um die Art, wie die Schäden an Dachstuhl und Gewölbe behoben werden sollen. Hier prallten zwei Kulturen aufeinander, die sich trotz zeit- und geldintensiven Bemühungen des Presbyteriums nicht in Einklang bringen ließen.  Bis heute.

Am weitesten gehen die Meinungen in zwei Punkten auseinander: der Erdbebensicherung und der Befestigung der  Gewölberippen.  Die im Projekt eingebundenen deutschen Fachleute, allesamt ausgewiesene Spitzenkräfte auf dem Gebiet der Restaurierung von Baudenkmälern, setzen – vereinfacht gesagt - auf eine handwerksmäßige Ertüchtigung des Dachstuhls und der Mauerkronen und berechnen den Einbau von Zugankern in Mittel- und Seitenschiff als ausreichenden Erdbebenschutz.

Die rumänischen Statik-Ingenieure, ebenfalls anerkannte Fachleute, halten eine viel massivere Lösung für notwendig, die zusätzlich einen Betonringanker auf der Innenseite der Mauerkrone vorsieht, der durch eine weitere Ebene von Stahlankern versteift wird. Daran werden nun an der Oberseite des Gewölbes Rippen aus verleimtem Holz abgestützt, an denen die darunterliegenden Gewölberippen befestigt werden.

Das ist nicht ohne erhebliche Schäden an historischer Substanz durchzuführen, sei technisch sehr schwer zu realisieren und würde den Kostenrahmen sprengen, meint die westeuropäische Seite. Das ist die vom gesetzlich vorgesehenen Erdbebenschutz her gesehene Minimal-Variante, halten die hiesigen Ingenieure dagegen; sie ist von den Firmen-Angeboten her als durchführbar ausgewiesen – ein vom rumänischen Denkmalamt wie auch von den EU-Finanzierungsstellen bewilligtes Projekt.

Etliche Fachgespräche in Hermannstadt und Bukarest bringen keine Einigung. Und die Zeit drängt, da der Zeitplan der Umsetzung des Projektes nicht noch mehr strapaziert werden kann.

Klar ist: die Stadtpfarrkirche benötigt eine Konsolidierung. Und selbst, wenn die Kirchengemeinde dieses Projekt abbrechen würde, um ein anderes neu aufzubauen (inklusive Finanzierung), würde sie wiederum vor dieselbe Bukarester Denkmalkommission kommen, nach deren Vorgaben in Sachen Erdbebenschutz  das erste bereits erstellt und bewilligt wurde.

Das ist einer der wichtigen Gründen, der das Presbyterium bewegt, zu entscheiden, das Projekt fortzusetzen - nicht leichten Herzens, dafür aber mit einem geschärften Blick für die Schutzbedürftigkeit dieses alten Gotteshauses. Und der wird nötig sei, um bei den vielen Entscheidungen, die die Arbeiten in den nächsten beiden Jahren begleiten werden, den besten Weg zwischen Denkmalverträglichkeit und rumänischer Gesetzeslage zu finden.

Kilian Dörr

 


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